Gewerkschaftliche Forderungen, die Ende 2016 der ABBL übergeben wurden

Es ist nicht nötig, an dieser Stelle noch einmal auf den Erfolg der von der ALEBA im Mai durchgeführten Umfrage „Contribute to your future“ einzugehen: Zahlreiche Mitglieder und Delegierte der ALEBA haben sich zu den Punkten geäußert, die in ihren Augen ausschlaggebend für den neuen Tarifvertrag 2017-2019 sind.

Die Vereinfachung des aktuell geltenden Tarifvertrags, eine Lohnerhöhung und zusätzliche Tage Sonderurlaub gehören zu den grundsätzlichen Forderungen, abgesehen von einer Fortschreibung der bisherigen Errungenschaften.

Die Arbeitsgruppe Tarifvertrag der ALEBA hat diese Gedanken bei der Ausarbeitung ihres Forderungskatalogs aufgegriffen. Letzterer diente als Grundlage für die Erstellung eines gemeinsamen Katalogs aller beteiligten Gewerkschaften.

Von September bis November wurden bei intensiven, konstruktiven und effizienten Treffen der Gewerkschaften Ideen und konkrete Forderungen für einen moderneren und an die Bedürfnisse der Arbeitnehmer angepassteren Tarifvertrag ausgearbeitet. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit der Gewerkschaften fand in einem ehrgeizigen und modernen Katalog Ausdruck, der in aller Transparenz der ABBL übergeben wurde.

Der Arbeitgeberverband zeigte jedoch nicht den gleichen guten Willen, weshalb seine Vorstellungen im Einzelnen bis heute nicht bekannt sind …

Die Forderungen der Gewerkschaften sind in neun Themenbereiche (Funktionsgruppen; Löhne; Konjunkturprämie; Urlaub/Sonderurlaub/Verlassen des Arbeitsplatzes; soziale Aspekte; Abgangsentschädigung bei Entlassung; Arbeitsplatzerhaltung/ Persönlicher Entwicklungsplan; außergesetzliche Vergünstigungen; Arbeitszeiten) untergliedert. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Punkte:

1. Funktionsgruppen

Die sechs, seit mehr als 20 Jahren bestehenden Funktionsgruppen entsprechen offensichtlich nicht mehr den heutigen Aufgabenbereichen im Finanzsektor: Wer kennt heute noch Schreibkräfte, Wertpapierbearbeiter oder Schließfachverwalter? Hier war es notwendig, zu vereinfachen und zu modernisieren. Die drei Gewerkschaften schlagen deshalb eine Neueinteilung der 6 derzeitigen Gruppen in 4 neue Gruppen vor. Nachfolgend die Aufteilung der alten Gruppen in die neuen sowie die jeweiligen Vergütungen jeder Gruppe.

NEU

ALT

MIN – MAX (ind. 100)

I

1 – 2 – 3

385,- € bis 595,- €

II

4

452,- € bis 675,- €

III

5

545,- € bis 795,- €

IV

6 + falsche leit. Ang.

590,- € bis 900,- €

Hinweise:

  • Die drei Sozialpartner fordern eine garantierte Minimaleinstufung in Abhängigkeit des Studienniveaus.
  • Die einstigen Gruppen 1 und 2 werden definitiv gestrichen.
  1. Löhne

Die Gewerkschaften fordern eine Lohnerhöhung, die maßvoll, aber realistisch ist:

  • Lineare Anhebung von 1,50 % zum 01/01/2017
  • Lineare Anhebung von 1,50 % zum 01/01/2018
  • Lineare Anhebung von 2,00 % zum 01/01/2019
  1. Konjunkturprämie

Die ALEBA, der LCGB und der OGBL möchten die derzeitige Prämie durch eine Prämie ersetzen, die einem Monatsgehalt (14. Monatsgehalt) entspricht und wie folgt berechnet wird:

  • 25 % bei weniger als 2 Jahren Betriebszugehörigkeit
  • 50 % bei weniger als 4 Jahren Betriebszugehörigkeit
  • 75 % bei weniger als 6 Jahren Betriebszugehörigkeit
  • 100 % nach 6 Jahren Betriebszugehörigkeit

Auf diese Weise kommen junge Arbeitnehmer in den Genuss einer Konjunkturprämie, die interessanter ist als das derzeitige System. Außerdem müssen, um ältere Arbeitnehmer nicht zu benachteiligen, die derzeitigen Prämienhöhen für Arbeitnehmer, die bereits in den Genuss der Prämie kommen, garantiert werden.

Da die Konjunkturprämie immer an die Betriebszugehörigkeit des Arbeitnehmers zu einem Unternehmen gekoppelt ist, wünschen die Sozialpartner, dass die Betriebszugehörigkeit eines Arbeitnehmers innerhalb des gesamten Sektors gilt. Folglich verliert ein Arbeitnehmer, der den Arbeitgeber wechselt, jedoch weiterhin im Finanzsektor tätig ist, nicht die Stufe seiner Betriebszugehörigkeit.

  1. Urlaub/Sonderurlaub/Verlassen des Büros

Die drei Gewerkschaften schlagen vor, die Zahl der Ruhetage und der Sonderurlaubstage zu erhöhen sowie das erlaubte Verlassen des Arbeitsplatzes auszuweiten, insbesondere, um sie an die gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen:

  • Ruhetage: 9 Ruhetage statt bisher 8,50 und 10 Ruhetage für Arbeitnehmer >50 Jahre
  • Ruhetag für 25 Jahre Betriebszugehörigkeit: Altersbedingung streichen
  • Sonderurlaub:
    • 1 Urlaubstag für ehrenamtliches karitatives Engagement
    • 2 Urlaubstage bei Ableben eines Verwandten 2. Grades
    • 5 Urlaubstage bei Ableben eines Verwandten 1. Grades (Halbbruder und Halbschwester aufnehmen)
    • 6 Urlaubstage bei Geburt oder Adoption eines Kindes
  • Erlaubtes Verlassen des Arbeitsplatzes:
    • Die Einschränkung „in einem vernünftigen Umfang“ streichen
    • Gänge zu Verwaltungen: Termine bei Notaren, Anwälten, zur Kfz-Hauptuntersuchung (1 Mal pro Jahr)
    • Politische Mandate im Ausland aufnehmen
  1. Soziale Aspekte

Bei der Umfrage „Contribute to your future“ wurde die ALEBA mehrfach aufgefordert, den Urlaub aus familiären Gründen zu erhöhen („Urlaub bei Krankheit der Kinder“).

Angesichts der Tatsache, dass ein Gesetzentwurf, der das gleiche Ziel verfolgt, derzeit diskutiert wird, kamen die drei Gewerkschaften überein, diese Forderung nicht in ihren Katalog aufzunehmen; im Gegenzug werden sie jedoch darauf achten, dass der Gesetzentwurf den Erwartungen der Gewerkschaften entspricht.

Die ALEBA hat zudem die Einführung zweier neuer Maßnahmen im sozialen Bereich vorgeschlagen: ein (unbezahltes) Sabbatjahr und die Spende von Ruhetagen. Das (unbezahlte) Sabbatjahr würde auf den Bestimmungen des neuen Elternurlaubs basieren und die Sozialabgaben würden weiterhin vom Arbeitgeber bezahlt. Spende von Ruhetagen heißt, dass es möglich ist, Ruhetage im Fall absoluter Notwendigkeit einem Kollegen überlassen zu können, beispielsweise wenn ein Mitglied seiner Familie schwer erkrankt.

  1. Abgangsentschädigung bei Entlassung

Derzeit sind die Abgangsentschädigungen bei Entlassung nicht hoch genug. Die ALEBA, der OGB-L und der LCGB möchten, dass die Zahl der Monatsgehälter wie folgt erhöht wird:

FORDERUNG NEUER TARIFVERTRAG

Zu zahlende Monatsgehälter gemäß Dienstjahre

DERZEITIGER TARIFVERTRAG

Zu zahlende Monatsgehälter gemäß Dienstjahre

   1 Monatsgehalt    > 2 Jahre

/

   2 Monatsgehälter > 5 Jahre

  1 Monatsgehalt    > 5 Jahre

   3 Monatsgehälter > 10 Jahre

  2 Monatsgehälter > 10 Jahre

   6 Monatsgehälter > 15 Jahre

  3 Monatsgehälter > 15 Jahre

   9 Monatsgehälter > 20 Jahre

  6 Monatsgehälter > 20 Jahre

 12 Monatsgehälter > 25 Jahre

  9 Monatsgehälter > 25 Jahre

 15 Monatsgehälter > 30 Jahre

12 Monatsgehälter > 30 Jahre

 18 Monatsgehälter > 35 Jahre

/

  1. Arbeitsplatzerhaltung/Persönlicher Entwicklungsplan

Um die Beschäftigung im Finanzsektor nachhaltig zu sichern, schlagen die drei Gewerkschaften die Einführung von zwei Instrumenten vor:

  • Der Persönliche Entwicklungsplan soll den Evaluierungsprozess von einem Sanktionsinstrument in ein Förderinstrument verwandeln.
  • Der Plan für das Altersmanagement soll die langfristige Einbindung junger Arbeitnehmer in die Unternehmen, die Einstellung und dauerhafte Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern sowie den Kompetenztransfer sicherstellen.
  1. Außergesetzliche Vergünstigungen

Die Arbeitnehmervertreter sehen drei grundsätzliche Problemfelder:

  1. Prävention psychosozialer Risiken: Mobbing, Burnout, Stress usw.
  2. Priorität der Wiedereinstellung
  3. Förderung öffentlicher Verkehrsmittel
  1. Arbeitszeiten

Was die Aufschläge oder die Vergütung von Nachtarbeit, von atypischen Arbeitszeiten oder Bereitschaftsdiensten betrifft,  möchten die drei Gewerkschaften einen allgemeinen, klar definierten Rahmen für alle Banken des Finanzplatzes schaffen. Derzeit erkennen einige Banken Überstunden oder Bereitschaftsdienste nicht als solche an und entlohnen sie folglich auch nicht entsprechend. Dieser Ungerechtigkeit muss ein Ende gesetzt werden, im Interesse aller Arbeitnehmer.

Es ist natürlich schwierig, alle Vorbereitungsarbeiten in einem einzigen Artikel zusammenzufassen. Wenn Sie Fragen zu einem oder mehreren Punkten haben, wenden Sie sich bitte einfach per E-Mail an info@aleba.lu.

Wenn Sie sich für die Information über den Fortgang der Verhandlungen über den Tarifvertrag auf der Website der ALEBA (www.aleba.lu/cct-banques/news/) angemeldet haben, konnten Sie in dem am 15. Dezember 2016 erschienenen Beitrag lesen, dass bei der ersten Plenarsitzung der Sozialpartner und der ABBL Arbeitsgruppen eingerichtet wurden.

Vier Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit den ursprünglich neun Themenbereichen:

  1. Einteilung und Vergütung: Funktionsgruppen/Löhne/Konjunkturprämie
  2. Beschäftigung und Weiterbildung: Abgangsentschädigung/Arbeitsplatzerhaltung/ Persönlicher Entwicklungsplan
  3. Organisation der Arbeitszeit: Urlaub/Sonderurlaub/Verlassen des Arbeitsplatzes/Arbeitszeiten
  4. Wohlbefinden am Arbeitsplatz: Prävention psychosozialer Risiken/Spende von Ruhetagen/Sabbatjahr/Soziale Aspekte

Diese Arbeitsgruppen werden Mitte Januar ihre Arbeit aufnehmen und konkrete Vorschläge erarbeiten, die dann in den Plenarsitzungen vorgestellt werden. Wir halten Sie natürlich so schnell wie möglich über den Fortgang auf dem Laufenden!