Sozialplan bei CLEARSTREAM unterzeichnet

Am Mittwoch, 12. Dezember 2018 haben die Gewerkschaften ALEBA, OGBL und LCGB zusammen mit den Personaldelegationen von Clearstream Banking und Clearstream International einen Sozialplan unterzeichnet, von dem 212 Arbeitnehmer betroffen sind.

Wie Anfang Mai 2018 in der deutschen und luxemburgischen Presse vermeldet worden war, hat die Gruppe Deutsche Börse, zu der Clearstream gehört, beschlossen, mehrere Hundert Stellen in Deutschland und Luxemburg zu streichen.

Trotz eines Gewinns von 1,5 Milliarden Euro sieht die Strategie der Gruppe vor, zur Finanzierung des technologischen Wandels (Blockchains, Robotik, Clouds …) sowie zur Kostenreduzierung Arbeitsplätze zu streichen und einige Aktivitäten an kostengünstigere Standorte in Europa zu verlegen (Nearshoring)!

Die Auswirkungen für Luxemburg sind enorm. Exakt 212 Mitarbeiter, also 1/5 der Belegschaft, sind letztendlich von den Maßnahmen betroffen. Der Sozialplan sieht vor, dass die Hälfte der betroffenen Arbeitnehmer gezwungen ist, das Unternehmen bis Ende 2021 zu einem vom Arbeitgeber vorgegebenen Zeitpunkt zu verlassen, während die andere Hälfte der Mitarbeiter, in erster Linie in den betroffenen Teams, freiwillig ausscheiden sollen. Wenn sich bis Ende April 2019 keine ausreichende Anzahl an Freiwilligen gemeldet hat, erhöht sich die Zahl der Entlassungen entsprechend und kann bis Ende 2021 bis auf 212 steigen.

Ein Sicherheitsgremium wurde eingerichtet, um die korrekte Umsetzung des Sozialplans zu überwachen. Dieses paritätisch mit Mitgliedern der Personaldelegation und des Managements besetzte „Control Board » hat in erster Linie die Aufgabe, alle zur Verfügung stehenden sozialen Maßnahmen des Sozialplans auszuschöpfen, um die Entlassung der betroffenen Mitarbeiter zu verhindern.

Für den Fall nicht zu vermeidender Entlassungen haben die Gewerkschaften und die Personaldelegierten jedoch akzeptable soziale und finanzielle Begleitmaßnahmen ausgehandelt. So sieht der Sozialplan unter anderem vor:

  • die Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Altersgruppen, doch besonders der ältesten Arbeitnehmer, die über zahlreiche soziale Hilfsmittel verfügen (vertragliche Frührente, Altersteilzeit, in eine verlängerte Kündigungsfrist umwandelbares Finanzpaket usw.);
  • verschiedene Maßnahmen, um die Kündigung beziehungsweise die Auflösung des Arbeitsvertrags so weit wie möglich hinauszuschieben. Die Betroffenen verfügen über verschiedene Möglichkeiten, um weiterhin auf der Gehaltsliste zu stehen und nicht zu früh arbeitslos zu werden.
  • die Möglichkeit für bestimmte Mitarbeiter, die aus dem Unternehmen ausscheiden möchten, unter gewissen Umständen an die Stelle eines von Kündigung betroffenen Kollegen zu treten;
  • die Möglichkeit, wieder unter das Dach des Sozialplans zu kommen, wenn ein Arbeitnehmer seinen neuen Posten während der Probezeit verliert;
  • und andere Maßnahmen mehr.

Auch wenn ALEBA, OGBL und LCGB anerkennen, dass die Firmenleitung ihrer sozialen Verantwortung nachgekommen ist, prangern die Gewerkschaften doch erneut die Tatsache an, dass sich ein profitables Unternehmen, und noch dazu in einer ihrer blühendsten Niederlassungen, zu einem derartigen sozialen Blutbad hinreißen lässt. Doch ihre größte Sorge betrifft die eigentliche Umsetzung des Sozialplans, die die Stabilität der Geschäftstätigkeit gefährdet, für die nun die noch verbleibenden – bereits mehr als überlasteten – Arbeitnehmer verantwortlich sind.

Dieser Sozialplan verschlimmert die bereits verheerende Bilanz der Sozialpläne 2018, von denen nunmehr 445 Arbeitnehmer betroffen sind.

Roberto Mendolia                                   Lena Batal                                                         Patrick Michelet

ALEBA                                                  OGBL-Finanzsektor                                            LCGB-Sesf