Biografie und Zeugnisse zu Ehren von Félix Walisch

Am 5. September 2021 verstarb unser Kollege und Freund Félix Walisch. Er hinterlässt fast 40 Jahre Gewerkschaftsgeschichte bei der ALEBA.

Félix trat der ALEBA im Dezember 1979 bei.

Zu dieser Zeit arbeitete er bei der Bank of Credit and Commerce International (BCCI), wo er zum Personalvertreter gewählt wurde. Seit 1983 ist er Mitglied des ALEBA-Vorstands. Nach der Schließung der Bank und einem Wechsel zu einem anderen Unternehmen wurde er Mitte der 1990er Jahre vom damaligen Präsidenten Marc Glesener eingestellt.

Sein Verhandlungsgeschick machte sich bald bei allen Verhandlungen bemerkbar. Er hat nie aufgegeben, wenn es darum ging, die Interessen der Beschäftigten des Finanzplatzes zu verteidigen. Geschickt und mit einer beunruhigenden Ruhe verstand er es, die Diskussionen auf seine Ziele zu lenken, um eine große Mehrheit zu erreichen. Er war ein Mann der Überzeugung, ein Mentor und ein Aufklärer für viele von uns.

Die Gewerkschaftsarbeit lag ihm in den Genen, und er trug dazu bei, die Arbeitsbedingungen von Tausenden von Menschen, Mitgliedern und Delegierten gleichermaßen zu verbessern, nicht nur während seiner Dienstjahre, sondern auch noch lange nach seinem wohlverdienten Ruhestand.

Einstimmig von allen Parteien am Tisch respektiert, sowohl für seine beruflichen Qualitäten als auch für seine menschlichen Werte, lies er niemanden gleichgültig und hat die Geschichte der luxemburgischen Gewerkschaftsbewegung endgültig geprägt.

Als Gesicht der ALEBA wird er für immer eine Säule unserer Organisation bleiben und ein Vorbild für alle, die sich tagtäglich für die Interessen der Arbeitnehmer einsetzen.

Die ALEBA von heute ist sein Ebenbild.

Ihm zu Ehren wird der große ALEBA-Sitzungssaal in “Salle Félix Walisch” umbenannt.

 

  

Zeugnis von ALEBA-Präsident, Roberto Mendolia

“Als Dreissigjähriger im Jahre 2003 traf ich Félix zum ersten Mal. Er brauchte nicht lange, um mich zu überzeugen, Personalvertreter zu werden. Seine Sprache war einfach, ruhig und gelassen… weit entfernt von allem radikalen und agressivem Gewerkschaftsdenken, das manche Leute so gerne anwenden. Félix war ein grosser Verfechter des Sozialdialogs, nicht mehr und nicht weniger. 

In den langen Kämpfen, die ich gegen manch erbitterten Gegner führen musste, war er immer an meiner Seite, mein unsichtbares Schild. Am Ende des Tages rief er mich oft an, und wir sprachen stundenlang miteinander.

Der Tag kam als ich ihm beim Verhandeln eines Sozialplanes zusehen durfte. Sobald er aufstand und sprach, wagte es niemand ihn zu unterbrechen, er war der Leiter des Geschehens, ruhig, gelassen, prägnant, direkt, sicher… beeindruckendes Charisma. Er brachte es fertig alle in Übereinstimmung zu bringen und hat jeden an der Versammlung teilnehmen lassen.

Eines Tages bat ich ihn, mir mehr vom Beruf des Personalvertreters beizubringen. Er antwortete: “Beruhige dich erst einmal. Ich werde dir nie etwas beibringen können, wenn du redest, bevor du denkst, oder wenn du dich verpflichtet fühlst, auf alle Angriffe gegen dich zu antworten.» Er hat mich beruhigt, als mich die Emotionen überkamen. Er lehrte mir Stille, Geduld und …. mit dem Herzen zuzuhören. Denn das braucht man für diese Arbeit.

Er ging mit mir den Weg der Entschlossenheit, der Beharrlichkeit, der Loyalität und des Respekts gegenüber allen, ob Freund oder Feind. Viele werden sich in diesen Zeilen wiedererkennen, denn ich war nicht sein einziger Schüler. Er war wirklich unser mentaler Vater.

Durch die Kanäle der ALEBA gab er diese wahren universellen Werte, die wahren Botschaften des Gewerkschaftlslebens an all jene weiter, die eines Tages die Chance hatten, seinen Weg zu kreuzen. Für uns junge Delegierte war er nicht nur das Wort der ALEBA, sondern auch ihr Gesicht. Für uns war ALEBA Félix, und Félix war ALEBA.

Er hat uns auch gelehrt, Leader zu sein. Er hat uns den Weg gezeigt, wie wir endlich unser eigenes Leben führen können. Lassen sie uns zuerst selbst zu Leadern werden, bevor wir andere führen können, und schließlich selbst in der Lage sein, diese universellen Werte weiterzugeben. Auf diese Weise hat er unsere Ängste gehemmt und sie in unsere Stärke verwandelt.

Wahrscheinlich, weil Félix spürte, dass ich endlich bereit war, verdanke ich ihm meine Ankunft in der ALEBA-Leitung. Seit dem Tag, an dem ich ihm sagte, dass ich diese Rolle annehme, hat er nie aufgehört, mir zu sagen “semper sursum”, immer aufrecht, immer treu, immer höher, immer besser. Wer mit seiner eigenen Entwicklung aufhält, beginnt seinen Tod.

Semper sursum ist und bleibt das Motto der ALEBA Félix: es liegt an uns, die Werte, die Du uns vermittelt hast, am Leben zu erhalten, die ALEBA am Leben zu erhalten und zu vergrößern, um sie immer wieder an möglichst viele Menschen weiterzugeben; in Deinem Gedenken, im Gedenken an alle, die für die wahre gewerkschaftliche Sache, für das wahre Wohl aller kämpfen.

Wir haben auch einige Aussagen von Delegierten erhalten, die Félix nahestanden:

Jochem Hagen (VP Bank) 

Ich habe mein Berufsleben am 01.01.1991 in Luxemburg begonnen. Bereits im Jahr 1992 bin ich Gewerkschaftsmitglied der OGBL geworden, weil mich damals eine Kollegin geworben hat. Als größtes Problem hatte ich mit dem OGBL, da fast die vollständige Kommunikation in Französisch war. Deshalb bin ich ca. 1993 zur ALEBA gewechselt. Hierbei hat mir Félix geholfen. Schon damals hat er mir die Grundlagen des Gewerkschaftslebens beigebracht.

Sobald ich ordentliches Betriebsratsmitglied wurde, hat er den Kontakt gesucht, also seit ca. 1998 (1993 bis 1998 war ich Ersatzmitglied). Ca. 2004 war es auch Félix, der mich für den Verwaltungsrat vorschlug. Ab ca. 2003 hatte Félix mitbekommen, dass ich als «Hobby» Luxemburgern und deutschen Grenzgängern bei der Steuererklärung half. Als er dies wusste hat er häufig den Kontakt zwischen ALEBA-Mitgliedern und mir hergestellt, so dass ich den ALEBA-Mitgliedern bei der Steuererklärung half.

Félix hat mich auch mehrfach überredet, dass ich im Namen der ALEBA Steuervorträge, auch als Hilfe für die Steuererklärung, gehalten habe. Es war auch Félix, der immer darauf geachtet hat, dass sich insbesondere die deutschen Betriebsratsmitglieder in der ALEBA «zu Hause» fühlten. Ganz besonders hat er mir als Vorsitzendem des Betriebsrats der HSBC Trinkaus bei den Sozialvertragsverhandlungen in 2013 geholfen. Sowie dann auch beim Übergang, mit dem Betriebsratsamt, zum neuen Arbeitgeber, der VP Bank. Bei der VP Bank war auch er derjenige, der es geschafft hat, mir wertvolle Tipps zu geben, so dass ich auch in der VP Bank wieder zu einem ordentlichen Betriebsratsmitglied wurde (was nach eine Teilbetriebsübernahme nicht selbstverständlich ist). Und auch seine Tipps haben dazu geführt, dass ich auch bei der VP Bank wieder in 2019 zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Félix hatte immer ein offenes Ohr und hat sich, wenn nötig die Zeit genommen, die nötig war.

Ich werde Félix uneingeschränkt in guter Erinnerung halten!

 

Ursula Koch (DZ PRIVATBANK S.A. / IPConcept (Luxemburg) S.A).

Félix kennen wir in unserem Unternehmen als Repräsentant der ALEBA seit mindestens 20 Jahren.

Er war das Bindeglied zwischen Präsidenten/Administration und Delegierten, war immer ansprechbar bei individuellen Problemen, aber auch insbesondere bei generellen Fragen der gewerkschaftlichen Arbeit. Seine Kontakte in Luxemburg bis in die Politik hinein waren der ALEBA immer dienlich, Felix hat sich immer mit Überzeugung und Feingefühl für Mitarbeiter engagiert, die von Personalmaßnahmen ihres Arbeitgebers betroffen waren.

Herauszuheben ist, dass er sich immer sehr um die deutschen Grenzgänger bemüht hat, die den größten Anteil in unserem Haus haben. Neben sprachlichen Übersetzungen von französischen Texten bei Gewerkschaftsversammlungen machte er immer wieder neue Delegierte miteinander bekannt. Dies führte auch zur Gründung des AK der Betriebsräte dt. Banken, der seither einen regen fruchtbaren Austausch pflegt. Ich denke, dies ist ein sichtbares Vermächtnis von Felix und wird weiterbestehen, solange es deutschsprachige Institute gibt.

Insbesondere bei der letzten Wahl führten wir gemeinsam mit Felix für unser Haus die sinnvolle Fusion der Betriebsräte der DZ PRIVATBANK S.A. und der IPConcept (Luxemburg) S.A. herbei. Hier kamen uns seine Kontakte und Kenntnisse der luxemburgischen Rechtsprechung zu Hilfe.

Neben der gewerkschaftlichen Erfahrung und Charisma ist Félix immer ein Menschenfreund gewesen, der sich aufopferungsvoll für das Gemeinwesen und für andere eingesetzt hat. Wir werden diesen ehrenwerten Kollegen sehr vermissen und behalten ihn in guter Erinnerung.

 

Colette Weber (Foyer)

Ich behalte Félix, als Ausbilder der ALEBA, in guter Erinnerung. Er hat es fertiggebracht sein Enthusiasmus und Wissen an die Kursteilnehmer zu vermitteln.

In der Mittagspause hat er mit uns einen Rundgang durch den städtischen Park gemacht, was eher ungewohnt bei einer Schulung war, aber immer sehr angenehm.

Er hat sehr gesund gelebt, hatte immer seinen Tee dabei, sogar öfters seine eignen Mahlzeiten.

Außerdem war er immer mit dem Zug unterwegs, auch auf Veranstaltungen der ALEBA. Spät abends machte er sich immer zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof, wo er dann den Zug zurück ins Ösling nahm.

Und er war unser Koordinator bei den letzten Sozialwahlen. Seine Erfahrung und sein Wissen gaben uns allen Mut and haben uns sehr geholfen.

Schade, dass er so früh von uns gegangen ist, er wird uns sehr und lange fehlen.

 

Michael Zeitler (Deutsche Bank Luxembourg)

Félix war der Mann bei der ALEBA, der den Kolleginnen und Kollegen der Deutsche Bank Luxembourg S.A. seit vielen Jahren den Weg zur ALEBA ebnete, Kontakte zu ALEBA-Verantwortlichen und zu anderen Mitgliedern herstellte.

Bei allen Fragen und Problemen war er der richtige Ansprechpartner, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hielt, immer gute Ratschläge, Empfehlungen gab, und auch Kontakte zu anderen Personen herstellte, die sich in einer Sache besonders gut auskannten. Man merkte ihm seine sehr tiefgehenden Kenntnisse und die Sicherheit in den ganzen relevanten Themen des Arbeitsrechts sehr an.

Ich persönlich habe Félix nicht nur als das ALEBA Gesicht und Aushängeschild schlechthin kennengelernt, sondern als großzügigen Menschen mit festen Grundprinzipien und als wirklichen Freund, mit dem man über alles reden konnte.

Wir werden ihn sehr vermissen.

 

Tamara Büsch (JPMorgan Asset Mangement)

Mit sehr großer Betroffenheit haben wir erfahren müssen, dass Félix Walisch leider am 05. September 2021 verstarb. Félix war für uns immer ein kompetenter Ansprechpartner, der uns immer hilfsbereit zur Seite stand.

In all den Jahren hervorragender Zusammenarbeit haben wir Félix nicht nur als einen erfahrenen Experten der ALEBA kennen lernen dürfen, sondern auch als Freund gewonnen.

Wir werden Félix als einzigartigen Menschen in Erinnerung behalten, der uns auch in schwierigen Zeiten wegen Personalabbau mit großem Fachwissen zur Seite stand. Seine Art im Umgang mit Menschen wurde nicht nur von uns, sondern auch von der Arbeitgeberseite sehr geschätzt.

Wir werden Félix immer in Erinnerung behalten. Sein soziales Engagement und sein verantwortungsvolles Handeln werden uns immer ein Vorbild sein.

 

Jochen Micket (HCOB Securities S.A).

Wir haben Félix als stets freundlichen Menschen kennengelernt, der immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen hatte. 2010 und 2012 hat er uns bei unseren Sozialplanverhandlungen begleitet und mit seiner ruhigen und beharrlichen Art zu deren Erfolg beigetragen. Dabei hatte er stets das Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blick. Von seiner damaligen Unterstützung und seinen Empfehlungen profitieren wir bis heute!  Wir werden Félix in dankbarer Erinnerung behalten.

 

Ingo Repplinger (Hauck&Aufhäuser)

Hinter jedem Erfolg und auch dem der ALEBA stehen Kolleginnen und Kollegen, die sich einsetzen, die mutig sind und an die gemeinsame Durchsetzungskraft glauben. Félix hat so maßgeblich zum Erfolg unserer Gewerkschaft beigetragen – erfolgreich sind wir nur aus einem einzigen Grund: Weil wir uns freiwillig zusammentun und weil wir solidarisch handeln. Nicht verordnet – sondern aus Überzeugung. Diese Überzeugung und sein solidarisches Geschick, welches Felix wie kein Zweiter innehatte, hat auch unserem Betriebsrat, unserem Unternehmen. aber auch vielen einzelnen Kollegen/Innen in schwierigen Zeiten sehr geholfen. Wir möchten uns insbesondere auch für seinen Einsatz beim Aufbau der „Arbeitsgruppe deutscher Banken“ bedanken, ein Projekt was ihm sehr am Herzen lag. Wir werden dich als Gewerkschaftler aber auch als Mensch und geschätzter Kollege sehr vermissen.

 

Sabine Thömmes (European Depositary Bank SA)

Auch wenn wir keine direkte Zusammenarbeit mit Félix hatten, wird uns seine Ruhe und Gelassenheit stets in Erinnerung bleiben. Er war ein ausgleichender Pol in allen Meetings der Personalvertreter deutscher Banken. Wir werden ihn vermissen.