Arbeitnehmer, schützen Sie sich vor Kündigungen im Krankheitsfall!

Der Beginn des Winters bedeutet auch eine Zunahme der Krankschreibungen von Arbeitnehmern. Leider müssen wir feststellen, dass viele Arbeitnehmer die Bestimmungen des Arbeitsrechts im Krankheitsfall nicht kennen oder Falschinformationen aufsitzen, was zur Folge hat, dass sie während ihrer Fehlzeit nicht abgesichert sind und ihre Arbeitgeber dies ausnutzen können, um sie ohne größere Schwierigkeiten zu entlassen.

  1. Am 1. Krankheitstag:

a. Verpflichtung, seinen Arbeitgeber über sein Fehlen zu informieren

Wann ist zu informieren: Entweder morgens nach dem Aufwachen oder im Büro während der Arbeit; sobald sich der Arbeitnehmer krank fühlt, muss er unbedingt so früh wie möglich seinen Arbeitgeber über seinen Zustand informieren.

Unsere Empfehlung: Warten Sie nicht, bis Sie beim Arzt waren, um Ihren Arbeitgeber zu informieren, erledigen Sie dies am besten direkt nach Öffnung des Büros und spätestens eine halbe Stunde nach Ihrem vorgesehenen Arbeitsbeginn.

Was man nicht tun darf: Warten, bis Sie bei Ihrem Arzt waren, ehe Sie Ihren Arbeitgeber informieren, oder mehrere Stunden warten, ehe Sie ihn informieren.

Wer ist zu informieren: Im Prinzip der für Sie direkt zuständige Mitarbeiter der Personalabteilung.

ACHTUNG: Die internen Bestimmungen Ihres Unternehmens oder Ihres Arbeitsvertrags können bestimmte zu kontaktierende Personen vorsehen. Diese Bestimmungen sind einzuhalten.

Was man nicht tun darf: Einen Arbeitskollegen damit beauftragen, den Arbeitgeber zu informieren.

Wie ist zu informieren: Die Unterrichtung muss unbedingt vom Arbeitnehmer nachgewiesen werden können. Die Luxemburger Gerichte akzeptieren als Beleg ein schlichtes Anrufverzeichnis des Privattelefons des Arbeitnehmers oder die Zeugenaussage eines Kollegen oder Angehörigen des Arbeitnehmers.

Unsere Empfehlung: Informieren Sie Ihren Arbeitgeber per E-Mail (indem Sie Ihre berufliche oder private E-Mail-Adresse verwenden, aber Ihre private Adresse immer zumindest in Kopie setzen). So sind Sie sicher, einen schriftlichen Beleg zu haben.

Was man nicht tun darf: Ihren Arbeitgeber oder einen Kollegen nur mündlich informieren oder über das Telefon Ihres Arbeitgebers, denn in der Praxis haben Sie keinerlei Beleg für dessen Unterrichtung.

b. Verpflichtung der Vorlage eines ärztlichen Attests

Wann ist der Arzt zu konsultieren: Das Gesetz bleibt beim Punkt der Verpflichtung des Arbeitnehmers zur Vorlage eines ärztlichen Attests, das den 1. Krankheitstag abdeckt, reichlich unklar. In der Praxis fordern jedoch viele Arbeitgeber ein solches Attest und man muss feststellen, dass manche Gerichte ihnen recht geben. Um sicher zu gehen, ist es folglich unverzichtbar, seinen Arzt unmittelbar am 1. Krankheitstag aufzusuchen und ein Attest zu besitzen, das den 1. Krankheitstag abdeckt.

Weit verbreiteter Irrglaube: Viele Arbeitnehmer glauben, dass sie für eine Krankheit, die nur einen oder zwei Tage dauert, kein ärztliches Attest benötigen. DAS IST FALSCH! Das Gesetz ist hier eindeutig: Selbst bei nur wenigen Stunden Abwesenheit benötigt der Arbeitnehmer ein Attest.

Es ist richtig, dass manche Arbeitgeber toleranter sind, doch wir raten Ihnen, in dieser Hinsicht sehr vorsichtig zu sein und sich zu vergewissern, dass diese Toleranz schriftlich festgehalten und zum Zeitpunkt Ihres Fehlens immer noch gültig ist.

Unsere Empfehlung: Richten Sie sich im Zweifelsfall nach dem Gesetz und suchen Sie schon am 1. Krankheitstag einen Arzt auf.

Wer ist zu konsultieren: Sie können Ihren Arzt im Land Ihres Wohnsitzes frei wählen, entweder einen Allgemeinarzt oder einen Facharzt, wenn Sie bereits erkannt haben, dass Sie an einer spezifischen Krankheit leiden.

ACHTUNG: Der Arzt, der das Attest ausstellt, muss von der CNS anerkannt sein (was alle Nicht-Mediziner wie Ergotherapeuten, Osteopathen, Psychologen, Naturheilkundler, Homöopathen … ausschließt).

Wie ist das ärztliche Attest zu übergeben: Sie sind nicht verpflichtet, das ärztliche Attest am ersten Krankheitstag zu übergeben, das Gesetz lässt Ihnen eine Frist von 3 Tagen, um dies zu tun (auch wenn Ihre Krankschreibung weniger als 3 Tage dauert). Alle Bestimmungen in Ihrem Arbeitsvertrag oder den internen Bestimmungen Ihres Unternehmens, die diese Frist verkürzen, sind rechtswidrig.

Unsere Empfehlung: Scannen oder fotografieren Sie unmittelbar nach Ihrem Arzttermin Ihr ärztliches Attest mit Ihrem Smartphone und schicken Sie es per E-Mail an Ihren Arbeitgeber (im Allgemeinen an die Personalabteilung, sonst an Ihren Vorgesetzten), wobei Sie darauf hinweisen, dass Sie das Original am gleichen Tag per Einschreiben abschicken. Dann sollten Sie unverzüglich zur nächsten Post gehen und Ihrem Arbeitgeber das Original des Attests per Einschreiben mit Rückantwort zusenden (um einen Beleg für das Versand- und das Zustelldatum des Attests zu haben).

  1. Am 3. Krankheitstag

Laut Gesetz muss Ihr Arbeitgeber das Attest spätestens am 3. Krankheitstag vor Mitternacht (Bsp.: Ich werde Montag krank, der 3. Tag ist Mittwoch) erhalten.

Das Gesetz gesteht Grenzgängern, Arbeitnehmern, die im Urlaub krank werden, sowie Notfallopfern eine gewisse Toleranz zu.

Wenn Sie das Attest per E-Mail und Einschreiben mit Rückantwort am 1. Tag weggeschickt haben, gibt es im Prinzip keinerlei Probleme und Sie haben nichts weiter zu tun.

ACHTUNG: Diese Regel gilt auch, wenn Ihre Krankschreibung weniger als 3 Tage dauert.

Gegenüber der CNS: Momentan sehen die Statuten der CNS eine gewisse Toleranz vor und fordern nicht die Erstellung eines ärztlichen Attests für Krankschreibungen unter 3 Tagen. Doch diese Toleranz gilt nur für die CNS und bindet nicht Ihren Arbeitgeber.

  1. An den ersten 5 Krankheitstagen

In dieser Zeit dürfen Sie Ihre Wohnung nicht verlassen, selbst wenn auf dem Attest das Gegenteil vermerkt ist (für Krankschreibungen gelten die Regeln Luxemburgs und nicht die des Landes Ihres Wohnsitzes).

Wenn Sie sich für die Dauer der Krankheit nicht an Ihrem der CNS gemeldeten Wohnort aufhalten, muss Ihr Aufenthaltsort während der Krankschreibung unbedingt auf dem ärztlichen Attest vermerkt sein.

Das Verlassen der Wohnung für Arzttermine und Lebensmitteleinkäufe wird toleriert (sofern diese zuvor der CNS mitgeteilt wurden: siehe https://cns.public.lu/de/assure/vie-professionnelle/arret-de-travail/maladie/regime-sorties-malade.html).

  1. An den folgenden Krankheitstagen

Ab dem 6. Krankheitstag kann der Arbeitnehmer zwischen 10 und 12 Uhr und zwischen 14 und 18 Uhr die Wohnung verlassen, und dies während der ganzen Woche, einschließlich dem Wochenende. Es besteht eine gewisse Toleranz für Arzttermine und Lebensmitteleinkäufe, sofern diese zuvor der CNS mitgeteilt wurden.

Es ist verboten, Sport zu treiben (außer bei medizinischer Indikation durch Ihren behandelnden Arzt), in Bars oder Restaurants zu gehen und Tätigkeiten auszuüben, die mit Ihrem Gesundheitszustand unvereinbar sind.

Sie müssen außerhalb der zum Verlassen erlaubten Zeiten unbedingt in Ihrer Wohnung bleiben.

  1. Die Kontrollen
  • Kontrollen zuhause: Die CNS kann einen Kontrolleur zu Ihrem Wohnsitz schicken, um Ihre Anwesenheit außerhalb der zum Verlassen der Wohnung erlaubten Zeiten zu überprüfen. Diese Kontrolle kann auf Initiative der CNS stattfinden oder von Ihrem Arbeitgeber verlangt werden.

Im Fall Ihrer Abwesenheit hinterlässt der Kontrolleur eine Nachricht über seine Visite in Ihrem Briefkasten. Sie haben dann 3 Tage Zeit, um zu Ihrer Abwesenheit während der Kontrolle Stellung zu nehmen. Unter Umständen kann Ihre Krankschreibung durch die CNS annulliert werden.

ACHTUNG: Technisch gesehen ist die CNS in der Lage, Kontrollen im benachbarten Ausland durchzuführen.

  • Kontrolle durch den Arbeitgeber: Ihr Arbeitgeber kann eine zweite ärztliche Untersuchung verlangen und Sie anhalten, sich zu einem Arzt seiner Wahl zu begeben (jedoch auf seine Kosten), der eine Beurteilung lediglich Ihrer Arbeitsunfähigkeit oder -fähigkeit abgibt (der Arzt hat nicht das Recht, über Ihre Krankheit zu informieren).

Sie können verlangen, dass der gewählte Allgemeinarzt durch einen Facharzt ersetzt wird (es obliegt Ihnen, den Fachbereich anzugeben).

Wenn der von Ihrem Arbeitgeber gewählte Arzt Sie für arbeitsfähig erklärt, hat Ihr Arbeitgeber das Recht, eine dritte ärztliche Meinung bei einem anderen Arzt seiner Wahl und auf seine Kosten einzuholen. Dieses dritte Attest muss dann umgesetzt werden.

  • Die Ärztliche Kontrolle durch die Gesundheitskasse (Contrôle Médical de la Sécurité Sociale, CMSS): Während Ihrer Arbeitsunfähigkeit werden Sie zweifelsohne von der CMSS einbestellt. Die CMSS lädt Sie per Schreiben an Ihre Wohnsitzadresse vor, die Sie bei Ihrer Krankschreibung angegeben haben, um einen verbindlichen Termin zu vereinbaren.

ACHTUNG: Angesichts der Zustellfristen kann der Zeitraum zwischen dem Erhalt des Schreibens und dem Termin bei Grenzgängern sehr kurz sein (24 bis 48 Stunden).

Ihre Anwesenheit bei diesem Termin ist verpflichtend, andernfalls kann Ihre Krankschreibung annulliert werden. Wenn Sie sich aus medizinischen Gründen (Krankenhausaufenthalt, Reiseunfähigkeit) nicht zur CMSS begeben können, müssen Sie unbedingt sofort Ihren behandelnden Arzt verständigen, damit er Ihnen ein Attest über Ihre aus medizinischen Gründen vorliegende Unfähigkeit ausstellt, sich zur CMSS zu begeben. Dieses Zertifikat muss noch am gleichen Tag per E-Mail an die CNS und die CMSS geschickt werden. Wir raten Ihnen jedoch, zusätzlich auch die auf dem Schreiben angegebene Nummer anzurufen, um Ihr Fernbleiben telefonisch mitzuteilen.

Für weitere Informationen steht Ihnen die Rechtsabteilung der ALEBA gerne zur Verfügung (legal@aleba.lu oder unter 223 228 1).