8. März 2022: Internationaler Frauentag

Die Stellung der Frau steht heute im Mittelpunkt unserer Gesellschaft. Lange Zeit wurde sie an den Herd verbannt. In den 70er Jahren debattierten alleine die Männer über die Frage der berufstätigen Frau: “Frauen, die arbeitenund dazu noch im Haushalt helfen, okay, aber wenn sie zu Hause bleiben, ist das auch in Ordnung”, sagten sie. “Sie dürfen nicht arbeiten, denn zwei Dinge auf einmal kann man nicht machen, Arbeit und Haushalt, das ist nicht möglich”; die Frau war also nicht wirklich frei in ihren Entscheidungen… (Doc Ina ). Glücklicherweise hat sich das geändert! Dennoch gibt es auch 50 Jahre später noch Ungleichheiten, sei es im Alltag, im Haushalt oder bei der Arbeit. Um den Frauentag vom 8. März 2022 zu begehen, haben wir uns entschieden, einige von Ihnen zu treffen, um die Entwicklung der Stellung der Frau zu bewerten, mögliche Verbesserungen zu sehen und Perspektiven aufzuzeigen, die das Leben jvon uns allen verbessern würden. ALEBA hat sich zudem entschieden, anlässlich der Europäischen Woche zur Prävention und Information über Endometriose (7. bis 13. März) speziell über Endometriose zu sprechen, um dieses Thema, das so viele Frauen betrifft (1 von 10 Frauen), in den Fokus zu setzen. ALEBA begrüsst  die Bereitschaft der EU, ihre Mitgliedstaaten dazu zu bewegen, sich mit dem Thema zu befassen.  (https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/DCL-6-2005-0013_FR.pdf?redirect und unterstützt auch Maßnahmen, von betroffenen Frauen in Luxemburg (Anerkennung der Krankheit, zusätzlicher Urlaub, Hilfen, …).

Porträts einiger Frauen der ALEBA

Josiane Kremer arbeitet seit 36 Jahren bei BGL BNP Paribas, wo sie seit 2003 ALEBA-Delegierte ist (ALEBA-Mitglied seit 1986) und uns zusätzlich bei der Arbeitnehmerkammer (CSL) vertritt. Derzeit ist sie in der Personalabteilung in der Verwaltung tätig. Sie wünscht sich langfristig mehr Frauen in Führungspositionen, und hat bereits Diskriminierungen erlebt: “Jedes Mal, wenn ich um Verbesserungen von Computerprogrammen bat, die ich benutzte, wurde mir gesagt, es gäbe kein Budget. Dadurch musste ich weiterhin manuell arbeiten und konnte keine Zeitersparnis erreichen.” Sie rät jungen Frauen, über ihr Gehalt zu verhandeln.           Martine Birmann arbeitete 39 Jahre lang bei der BIL und ist heute  als Leiterin des Privatbankwesens im Norden und Süden tätig. Sie hat viel Geduld und Beharrlichkeit aufgebracht, um, wie sie es so schön sagt, “die Position zu erreichenwelche mir zusteht”. Sie musste kämpfen und musste oft mit ansehen, wie Männer vor ihr befördert wurden. Es ist ihr Kämpfercharakter und ihr Optimismus, die sie dahin gebracht haben, wo sie heute ist. Was die Verbesserung der Stellung der Frau angeht, ist sie der Meinung, dass es noch viel zu tun gibt,, der Schlüssel dazu ist Bildung. Zum Thema Endometriose, einem der Themen des Frauentags, sagt sie uns: “Es ist ein wichtiges Thema, das öffentlicher gemacht werden muss … Männer wissen oft nicht, was Frauen durchmachen, und kennen die Krankheit nicht einmal”. Das Schlusswort für alle Frauen: “Gebt nie auf, bleibt optimistisch, verbündet euch untereinander”.       Christine Scholl-Gonner, ist eine verheiratete Frau mit drei Kindern und arbeitet seit 39 Jahren auf dem Finanzplatz. Sie ist zum ersten Mal ALEBA-Personalvertreterin (für Gesundheit und Sicherheit). Sie begann ihre Laufbahn im Nostro (Buchhaltungsabteilung) und wechselte nach zwei Jahren in die IT-Abteilung (damals noch eine reine Männerdomäne). Sie war schon immer von Computern begeistert, aber da sie keine Ausbildung in diesem Bereich absolviert hatte, besuchte sie in den ersten zehn Jahren Abendkurse. Sie arbeitete konsequent weiter an Ihrer Ausbildung und ist heute im Helpdesk im Bereich Informatik tätig. Sie hat viel Know-how, musste aber wissen, wie man sich an die Entwicklung der Technologie sowie an die Änderungen in den Abteilungen und die verschiedenen Veränderungen im Unternehmen anpasst. Jede Veränderung war für sie jedoch eine Chance, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Sie hat jedoch nie Diskriminierung erlebt und hatte immer das Glück, für ihre Professionalität, ihr Wissen und ihr Engagement anerkannt zu werden. Dennoch musste sie sich von Anfang an durchsetzen: “In meinen ersten Jahren in einer reinen Männerabteilung betrachtete mich ein Chef anfangs als die Sekretärin der Abteilung und bat mich einmal, ihm einen Kaffee zu machen. Ich antwortete ihm: “Wenn Sie den Kaffee trinken, den ich Ihnen mache, werden Sie nicht viel davon trinken. Also hat er schließlich seinen Kaffee selbst gekocht”. In Bezug auf Ungleichheiten fällt ihr als erstes das Thema Gehalt ein. Sie bedauert, dass Frauen bei gleicher Qualifikation und Position im Allgemeinen immer noch weniger verdienen als Männer. Das Problem ist, dass es schwierig ist, ihr Gehalt mit dem ihrer Kollegen zu vergleichen. Ueber Gehälter redet man nicht offen, deswegen ist es schwieirg diese Ungleichheit zu beweisen. Aber sie gibt die Hoffnung nicht auf; für sie hat sich die Situation der Frauen bereits deutlich verbessert.   Delphine Nicolay ist seit 2004 bei The Bank of New York Luxembourg SA angestellt. Sie ist Vorsitzende der Personaldelegation und hat seit August 2021 ihre dritte Amtszeit als freigestellte Delegierte (davor war sie Lead Analyst für interne Kontrolle). Seit Mai 2021 ist sie Generalsekretärin von ALEBA. Was die Ungleichheiten am Arbeitsplatz in ihrer Bank betrifft, so hat sie diese nie gespürt. In der BNYM Luxemburg haben viele Frauen Zugang zu Führungspositionen, daher empfindet sie keine reale unterschiedliche Behandlung der Geschlechter. Als sie jünger war, war sie jedoch mit einem frauenfeindlichen Mann in Konfrontation, wegen dem sie ihren Job aufgeben musste. Im Nachhinein, und mit ihrer heutigen Erfahrung würde sie sich heute jedoch nicht mehr alles gefallen lassen. Während sie selbst als Frau nicht mehr diskriminiert wird, trifft sie über ALEBA viele andere, die tagtäglich an ihrem Arbeitsplatz diskriminiert werden: Berührungen oder Schlimmeres. Eine Möglichkeit für sie wäre es, sich bei der ersten Gelegenheit zu äußern, aber leider führt der Schock oft dazu, dass sie dadurch oft zu lange warten ehe sie reagieren: Ihre Delegierten oder jemand von der Gewerkschaft sind deswegen da, um ihnen zu helfen. Was ist zu verbessern? Delphine meint, dass die Unternehmen gegenüber den Personaldelegationen transparenter sein sollten, indem sie Zahlen über ihre Belegschaft und Statistiken über Geschlechter und Gehälter vorlegen. Sie könnten dann die Delegationen eine statistische Analyse durchführen lassen und die daraus resultierenden Bemerkungen berücksichtigen. Auch für Endometriose, die immer mehr junge Mädchen betrifft, aber immer noch sehr unbekannt ist, sollte es einen Sonderurlaub für die betroffenen Frauen geben, und die Krankheit sollte als Langzeiterkrankung anerkannt werden. Aber zum Glück ändert sich die Einstellung! “Vor 40 Jahren gab es viele Hausfrauen, heute ist das seltener der Fall”, und was den Alltag betrifft: “Man muss ihnen sagen sich zu äussern wenn Sie etwas auf dem Herzen haben, nicht grübeln. Zögern Sie nicht, auch zu Hause zu delegieren: Die Jungen, die wir heute erziehen, werden die Männer von morgen sein.” Und noch ein letzter Ratschlag: “Verhandeln Sie Ihr Gehalt! Meine Mutter hat mir als Kind beigebracht, dass eine Frau finanziell unabhängig sein muss. Es ist eine Sache, Familie und Beruf miteinander zu verbinden, aber man muss auch wertschätzen, was man tut, und das ist nicht immer leicht.”   Colette Weber, 55 Jahre alt, verheiratet, Mutter von zwei Kindern, arbeitet seit 36 Jahren bei Foyer Assurances. Dort übt sie die Funktion einer Seniorberaterin in der Vertriebsabteilung aus. Sie hatte nur einen einzigen Arbeitgeber und profitierte daher von der internen Mobilität. Außerdem haben die Umstrukturierungen verhindert, dass ihre Arbeit eintönig wird: “Man darf sich nicht entmutigen lassen und nach vorne schauen, keine Angst vor Neuem haben. Im Gegenteil, es ist eine Chance für die berufliche und private Entfaltung!”. In ihrer Arbeit wurde sie als Frau immer respektiert. Aber für sie gibt es zwei Verbesserungsmöglichkeiten: das Gehalt sowie ein besseres Gleichgewicht  zwischen Privat- und Berufsleben. Dies könnte im Alltag durch Tipps zur Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben, Schulungen zum Thema Wohlbefinden und Rundtischgesprächen zum Thema umgesetzt werden. Die Situation würde sich dadurch  noch weiter verbessern. Junge Frauen sind heute gut ausgebildet und wissen, was sie wollen, die meisten von ihnen werden ihren Weg gehen. Ein einziger Ratschlag: “Auf ihre Gesundheit achten und ein gutes Gleichgewicht zwischen Privatleben und Arbeit suchen”. Insbesondere im Hinblick auf Endometriose: “Ihre Kollegen müssen ihr Leiden verstehen und sie unterstützen. Es ist wichtig, darüber zu sprechen und zu informieren”. Was ihr jedoch mehr Sorgen bereitet, ist die Situation von Frauen in anderen Ländern, in denen sie keine Rechte haben und von ihren Ehemännern abhängig sind. Sie denkt viel an die Geschehnisse in Afghanistan, an die Frauen, die das Leben in Freiheit kannten und nun wieder gezwungen sind, sich zu unterwerfen und Unterdrückung und Leid zu erleiden: “Am 8. März denke ich vor allem an diese Frauen”.   Wir danken diesen außergewöhnlichen Frauen für ihre Aussagen und denken an alle unsere Freundinnen, Kolleginnen und Kollegen sowie an alle Frauen an diesem Tag. Wir wünschen allen Frauen einen schönen 8. März! von Rebecca Mansard