Tarifvertrag Banken: Über das „Wann“ und das „Was“

Viele von Ihnen wenden sich oft an mich, um zu fragen: „Wann wird der neue Tarifvertrag unterzeichnet?“. Natürlich freue ich mich immer über das Interesse der Arbeitnehmer des Bankensektors an der wichtigen Gewerkschaftsarbeit hinsichtlich der Erneuerung des Tarifvertrags. Ich stelle jedoch fest – und ich denke, dass dies eine gesellschaftliche Entwicklung ist –, dass mehr und mehr das „Wann“ und weniger das „Was“ von Interesse ist. Mit anderen Worten: Man möchte zunächst das Datum der Unterzeichnung erfahren und erst in zweiter Linie den Inhalt.

Aus diesem Anlass deshalb hier eine kleine Erinnerung: Nach dem Tarifvertrag 2014-2016, der Ende 2016 gekündigt worden war, wurde am 22. Juni 2017 ein neuer Tarifvertrag mit einer Laufzeit von einem Jahr unterzeichnet, der das gesamte Jahr 2017 abdeckt. Wir werden diesen Vertrag im November kündigen und erst nach diesem Datum beginnen die Verhandlungen „offiziell“, um dann, wie ich hoffe, einen Tarifvertrag mit dreijähriger Laufzeit abzuschließen.

Von außen betrachtet kann dieser Weg durchaus lang erscheinen. Doch von meiner internen Warte aus kann ich Ihnen versichern, dass man den Verhandlungen und Diskussionen die nötige Zeit lassen muss und dass diese Diskussionen zwischen den Gewerkschaften auf der einen und der ABBL auf der anderen Seite nie abgerissen sind. Müssen Standpunkte, die manchmal vollkommen gegensätzlich sind, nicht erst miteinander versöhnt werden? Umso mehr, da sich die Parteien in diesem Jahr auf den Versuch verständigt haben, einen neuen, vereinfachten und modernisierten Tarifvertrag auszuarbeiten, das heißt einen Text, der stärker in der beruflichen Realität der Arbeitnehmer der Branche verankert ist. Insofern haben wir erst am 3. Oktober – gemeinsam mit den anderen Gewerkschaften – gegenüber der ABBL erneut darauf hingewiesen, welchen Stellenwert wir den Grundprinzipien unseres gemeinsamen Forderungskatalogs hinsichtlich der Entlohnung und Gruppeneinteilung beimessen. Denn auch wenn es möglich ist, sich konstruktiv anderen, ja neuartigen Modellen und Prinzipien zuzuwenden, so gibt es doch aus Sicht der Gewerkschaften unverzichtbare Elemente, die im neuen Tarifvertrag unbedingt enthalten sein müssen. Für die ALEBA ist die Sache ganz einfach: modernisieren – ja, unsere Prinzipien verramschen – nein.

Natürlich ist jede Verhandlung eine Frage des Konsenses und das wird ohne Zweifel auch diesmal wieder der Fall sein. Doch damit eine Übereinkunft positiv ist, muss sie ein echtes „Win-win“-Ergebnis für beide Seiten, die Gewerkschaften und die Arbeitgeber, haben, und das ganz besonders in unserem Finanzsektor, der sich sicherlich mitten in einem Wandlungsprozess befindet, dessen Ergebnisse jedoch nach wie vor mehr als positiv sind. Wird kein solches Ergebnis erzielt, muss jede Seite zu ihrer Verantwortung stehen. Und so ist auch die ALEBA wieder bereit, als Mehrheitsgewerkschaft der Branche, die ihre zu übernehmen, so wie es bereits im Juni der Fall war. Verantwortung übernehmen heißt übrigens auch, Kohärenz zu beweisen: Wenn man unterzeichnet, spuckt man nicht gleich danach in die Suppe. Doch genau dies hat eine Gewerkschaft getan und insbesondere das „magere“ Ergebnis bei der ausgehandelten und vereinbarten Einmalzahlung kritisiert! Das ist keine Wahrung der Interessen der Arbeitnehmer der Branche, sondern zeigt lediglich, dass man von deren Alltagswirklichkeit weit entfernt ist: Heutzutage, da Lohnerhöhungen immer seltener werden, ist eine Einmalzahlung von 400 Euro nicht zu verachten.

Unzweifelhaft liegt noch ein weiter Weg vor uns, auf dem zahlreiche Hindernisse warten. Doch ich kann Ihnen garantieren, dass wir von der ALEBA mehr als je zuvor entschlossen sind, einen Tarifvertrag mit hoher Qualität abzuschließen.

Dafür engagieren wir uns, was das „Was“ angeht, soviel ist sicher. Das „Wann“, das muss ich Ihnen nun nicht mehr erklären, ist eine ganz andere Geschichte!

Laurent MERTZ,
Laurent MERTZ, Generalsekretär der ALEBA
(ALEBA Info 09-10/2017)