1918 solidarisierten sich eine Handvoll Arbeitnehmer des Bankensektors, um ihre gemeinsamen Interessen zu vertreten. Ein Jahr, in dem der Erste Weltkrieg gerade zu Ende gegangen, die luxemburgische Bevölkerung verarmt und die Zukunft ungewiss war. Damals unterhielt das Großherzogtum Luxemburg wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland auf der Grundlage einer Zollunion („Zollverein“). Eines der Ziele dieses Kriegs bestand ganz einfach in der Angliederung Luxemburgs an Deutschland.

Bis dahin wurde das Schicksal Luxemburgs in drei internationalen Verträgen vorläufig geregelt (Unabhängigkeit, territoriale Ausdehnung, Neutralität), die im 19. Jahrhundert geschlossen worden waren (Wien 1815, London 1815 und 1867). Die wirtschaftliche Lage des Landes war aufgrund der täglichen Geldentwertung, des Verlusts der Kaufkraft, der extrem hohen Lebens- oder besser gesagt Überlebenskosten und des prekären sozialen Umfelds ausgesprochen schlecht.

Die tägliche Arbeitszeit, verteilt auf sechs Arbeitstage, betrug 10 bis 12 Stunden. Es ging um Solidarität, und gewerkschaftliche Ideen nahmen immer mehr Raum ein, was zur Gründung mehrerer gewerkschaftlicher Organisationen führte. Im Bereich der Beschäftigen des Privatsektors waren dies die Association Cantonale Générale des Employés Privés und die Fédération Nationale des Employés du Luxembourg. Sie schlossen sich Anfang 1918 mit der Fédération Générale des Employés de l’Etat zusammen.

Ihr damaliges Aktionsprogramm bestand im Wesentlichen aus drei Punkten:

Bekämpfung der Erhöhung der Lebenshaltungskosten, Verringerung der steuerlichen Belastungen, Entschädigungen für die Zerstörungen durch die Luftangriffe im Krieg.
Etwas später wurde 1918 der „Luxemburger Bankbeamtenverein“, die „Association Luxembourgeoise des Employés de Banque“, abgekürzt „ALEB“ gegründet. Alle diese Vereine von Beschäftigten des Privatsektors schlossen sich später in der Fédération des Employés Privés du Grand-Duché de Luxembourg (Verband der Beschäftigten des Privatsektors im Großherzogtum Luxemburg) zusammen. Die sozialen Unruhen infolge der Wirtschaftskrise der Nachkriegsjahre (1918-1924) führten zur Einführung eines 8-Stunden-Arbeitstags und zur Einrichtung von Strukturen zur Arbeitnehmervertretung in den Unternehmen sowie zur Gründung von Berufsverbänden. Die Wirtschaft hatte dank einer leistungsstarken und modernen Stahlindustrie wieder eine gewisse Stabilität gewonnen. Die Gründung der Luxemburger Börse im Jahr 1927 war von großer Bedeutung für den Finanzplatz. 1929 wurden erstmals Rechtsvorschriften für Holdinggesellschaften eingeführt. Die Sterbekasse der früheren „ALEB“ wurde am 20. Oktober 1928 ins Leben gerufen. Die Satzung der Sterbekasse wurde unter dem Namen „Sterbekasse des Luxemburger Bankbeamtenvereins“ hinterlegt und im Memorial veröffentlicht.

Die 30-er Jahre waren von der weltweiten Wirtschaftskrise geprägt, die durch den New Yorker Börsencrash von 1929 verursacht worden war. Später verbreiteten sich noch vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs der Faschismus und der Nationalsozialismus, eine Militärdiktatur wurde eingerichtet und die Gewerkschaften verboten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Wirtschaft erneut von der Stahlindustrie bis zur Stahlkrise im Jahr 1975 getragen. Glücklicherweise gelang es Luxemburg damals dank visionärer Politiker, sich mit dem Finanzplatz zu behaupten. Mit Bankgeheimnis und steuerlichem Umfeld konnten die wirtschaftlichen Turbulenzen gemeistert werden. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Entwicklung und die Förderung der Finanzdienstleistungen konsequent verfolgt.

1955 gab es 996 Beschäftigte im Bankensektor, wobei deren Zahl zuvor nicht statistisch erfasst wurde. Bei den Versicherungen gab es 224 Arbeitnehmer. 1967 lag die Zahl der Beschäftigten im Finanzsektor bereits bei 2.400 und erhöhte sich bis 1980 auf 7.600 und bis 1990 auf 15.500. Zwischenzeitlich hat sich die Zahl erneut verdoppelt. Der erste Tarifvertrag der Beschäftigten des Bankensektors wurde am 3. Mai 1967 und der erste Tarifvertrag für den Versicherungssektor am 17. Mai 1967 unterzeichnet. Unterzeichner war in beiden Fällen die Fédération des Employés Privés (FEP), wobei die FEP damals die Gewerkschaft aller Beschäftigten des Privatsektors (Handel, Stahlindustrie, Banken und Versicherungen) war.

Für die gewerkschaftlichen Organisationen änderte sich die Lage grundlegend in den 1970er Jahren durch die Umstrukturierungen in der Stahlindustrie, die zu einem deutlichen Rückgang der Arbeitsplätze führten, was für die traditionellen Arbeitergewerkschaften mit einem erheblichen Mitgliederverlust verbunden war. Die Idee einer Einheitsgewerkschaft wurde in Betracht gezogen, aber aufgrund fehlender gemeinsamer Nenner nicht umgesetzt. 1978 trennte sich die ALEBA von der FEP ab und etablierte sich als autonome Gewerkschaft.

1979 vereinigten sich die FLA und der LAV mit führenden Dissidenten der FEP und gründeten die OGB-L. Daher war die Vereinigung der Beschäftigten des Privatsektors, abgesehen von einer Vernunftehe zwischen der ALEBA und Getreuen der FEP, zerrüttet und gespalten. Der Untergang der FEP war nur noch eine Frage der Zeit. Die ALEBA dagegen setzte ihren Weg unbeirrt fort und war dank mehrerer aufeinanderfolgender Wahlsiege im Finanzsektor maßgeblich an der weiteren Entwicklung und den sozialen Fortschritten beteiligt. Dank der tarifvertraglich geregelten Rechte und den zusätzlichen sozialen Vergünstigungen in den verschiedenen Unternehmen gilt der Finanzsektor heute gegenüber anderen Sektoren als Maßstab, wenn es um die soziale Stellung geht. Der Weg der ALEBA nach ihrem Ausscheiden aus der FEP-Struktur war sicherlich nicht einfach. Alle diejenigen, die am Aufbau der ALEBA beteiligt waren, können darauf stolz sein. Die ALEBA von heute ist erwachsen, unabhängig und repräsentativ.

Für den luxemburgischen Finanz- und Wirtschaftssektor ist es beruhigend zu wissen, dass die ALEBA heute ihre Aufgaben vollkommen unabhängig wahrnehmen kann. Dies war übrigens im Dezember 2007 der Fall, als es eine grundsätzliche Entscheidung zum Überleben des Tarifvertrags für die Beschäftigten des Bankensektors zu treffen galt.

Die kontinuierliche Erhöhung der Mitgliederzahl, die heute über 10.000 liegt, ist der Beweis für eine gute und anerkannte Gewerkschaftsarbeit.